Unser Weidezelt hat den ersten Schneefall problemlos überstanden, die Schafe nehmen es auch gerne an – wenn sie sich auch nicht unbedingt die ganze Zeit im Zelt aufhalten, weil ihnen anscheinend der Schnee nichts auszumachen scheint.
Wie versprochen, werden wir das Weidezelt einem ausführlichen Praxistest unterziehen, an dem wir Euch teilhaben lassen wollen. In einem ersten Teil wollen wir unsere Erfahrungen beim Aufbau dokumentieren.
Lieferung der Zeltteile
Wir haben das Weidezelt von der Firma Steinbock Allzweckzelte in Pöggstall (NÖ, Bezirk Melk) abgeholt. Soweit wir wissen, werden die Zelte auch geliefert, Pöggstall ist von Oberndorf allerdings nur ca. 50 km entfernt, deshalb haben wir es abgeholt. In Pöggstall hatten wir auch Gelegenheit, die Weidezelte gleich im Einsatz zu sehen. Herr Steinböck, der Inhaber der Firma Steinbock Allzweckzelte, hält selbst wie berichtet eine Herde Heidschnucken im Freiland – und verwendet als “Stall” natürlich seine Weidezelte (im Übrigen auch für die Lagerung von Heu und Stroh für die Schafe). Die Besichtigung bot uns auch Gelegenheit, zu sehen, worauf beim Aufstellen des Zelts vor allem zu achten ist: nämlich, dass zum Schluss alle Planen des Zelts gut gespannt sind und das Zelt selbst einwandfrei im Boden verankert ist.
Der “Zeltbausatz” selbst besteht im Wesentlichen aus feuerverzinkten Metallrohren, Schrauben und Muttern (M8 x 80, M8 x 90), 8 Erdankern, 2 Türplanen mit Reißverschlüssen, einer Hauptplane und Spannschnüren. Eine ausführliche Anleitung zum Selbstaufbau, die von Herrn Steinböck eingehend erläutert wurde, liegt bei. Da wir ein relativ kleines Auto haben, haben wir die Zeltteile mit einer Pritsche abgeholt. Sie ließen sich aber sicherlich auch mit einem (großen) Kombi, Pickup, Anhänger, etc. transportieren.

Die Gestängeteile des Weidezelts aus feuerverinkten Rohren
Aufbau des Weidezelts – Grundsätzliches
Das Zelt sollte am Besten mit der Längsseite zur Hauptwindrichtung aufgestellt werden (also so, dass der Wind aus der Hauptwindrichtung nicht in die Türteile “hineinfährt”). Natürlich sollte der Untergrund halbwegs eben und so beschaffen sein, dass die ca. 80 cm langen Erdanker auch greifen können. Zu überlegen ist auch, ob man am Boden nicht Paletten oder eine Staffelkonstruktion auflegt, damit zwischen Erdboden und Einstreu etwas Platz bleibt. Die Einstreu bleibt dann länger trocken. Eine derartige Bodenkonstruktion würde ich aber erst einbringen, wenn das Zelt schon steht.
Für den Aufbau des Weidezelts ist wichtig, dass zumindest beim Aufbringen der Planen möglichste Windstille herrscht. Wenn zuviel Wind geht, wird man beim Aufziehen der Plane (dazu unten) unweigerlich scheitern. Denn vor allem die Hauptplane (in unserem Fall über 7 m lang und fast ebenso breit) hat schon ein ziemliches Gewicht, wenn dann noch Wind dazu kommt, hat man fast keine Chance, die Plane zu halten. Ist die Plane allerdings einmal auf das Gerüst aufgezogen und befestigt, sollten Windgeschwindigkeit bis zu 120 km/h kein Problem darstellen.
Aufbau des Weidezelts – Gerüst
Der Aufbau des Zelts beginnt mit dem Zusammenstellen des Gerüsts, dass aus feuerverzinkten Rohren besteht, die mittels der mitgelieferten Schrauben und Muttern verbunden werden. Das zusammengesetzte Gestänge trägt sich selbst und formt das Tunnel-Gerüst für Türteile und Hauptplane.
Der Montageanleitung entsprechend haben wir damit begonnen, dass wir die Bogenteile vorerst einmal so am Boden aufgelegt haben, wie sie dann zusammengesetzt gehören: Das heißt, ein Halbbogen mit Verjüngung (A) trifft auf einen ohne Verjüngung (B), wobei alle Bogenteile auf einer Seite und alle Bogenteile B auf der andere Seite liegen müssen. Klingt kompliziert, ist aber einfach, wenn man die Teile vor sich hat:

Die Bogenteile A müssen auf einer, die Bogenteile B auf der anderen Seite liegen.
Auch die Seitenstangen (mit dem Eckfuß) sind entsprechend aufzulegen:
Die Bogenteile und Seitenstangen sind dann am Boden liegend mittels Schrauben M8 x 80 gegen Verdrehen zu sichern. Dazu werden die Schrauben von oben durch die dafür vorgesehenen Löcher gesteckt. Sie werden aber noch nicht mit einer Mutter verschraubt, da sie später noch einmal entfernt werden müssen (siehe dazu auch unten).

Die Schrauben werden vorerst von oben durch das vorgesehene Loch gesteckt, ohne eine Mutter.
Die so entstandenen Bögen müssen jetzt miteinander verbunden werden. Dazu werden der erste und der zweite Bogen aufgestellt und am Besten von jeweils einer Person gehalten. Eine dritte Person verbindet die Bögen dann mittels der dafür vorgesehenen Verbindungsstangen und den Diagonalverbindungen. Damit das ganze hält, brauchen nur die Schrauben in die dafür vorgesehen Löcher gesteckt und mit der dazupassenden Mutter verschraubt werden. Die Muttern sollten allerdings erst ganz am Schluss (als wirklich letzter Arbeitsschritt nach dem Aufziehen der Plane) fest angezogen werden.
Spätestens wenn drei Bögen stehen, hält die Konstruktion von alleine. Die Verbindungsstangen sind an einem Ende verjüngt, sodass sie aufeinander gesteckt werden können. Für die Verbindung von vorletzten und letzten Gestellbogen sind die Verbindungsstangen ohne Verjüngung zu verwenden.

Eine Person oder zwei Personen halten die Bögen, damit sie verbunden werden können

Die Bögen werden mittels horizontaler und diagonaler Verbindungsstangen zusammengehalten.

Wo horizontale und diagonale Verbindungsstange aufeinander treffen, sind die langen Schrauben (M8 x 90) zu verwenden.
Die Gestängebögen werden aber nicht nur durch die gezeigten Verbindungsstangen zusammengehalten, sondern auch durch eine Stange am Scheitelpunkt der Bögen. Hier ist es wichtig, zu beachten, dass diese oberste Verbindungsstange grundsätzlich an der Oberseite des Bogens montiert wird, am ersten und am letzten Bogen allerdings auf der Unterseite. Nur so kann später eine optimale Spannung der Hauptplane erreicht werden. Diese Stange wird mit den bereits in die Bögen gesteckten (aber bis jetzt noch nicht mit Muttern fixierten – siehe oben) Schrauben befestigt.

Die oberste Verbindungsstange muss am ersten und am letzten Bogen unten, ansonsten oben montiert werden.
Nachdem das Gerüst mit diesem Schritt fertig aufgestellt ist, wird es dort platziert, wo das Weidezelt einmal stehen soll. Das Gerüst lässt sich zu dritt heben und umstellen.
Aufbau des Weidezelts – Anbringen der Türplanen
Wenn das Gerüst am gewünschten Platz steht, ist es auszurichten. Und zwar so, dass die Ecken zum Schluss einen rechten Winkel bilden. Dazu werden am Besten die Diagonalabstände zwischen den Eckpunkten des Zelts mit einem Maßband ausgemessen. Der Abstand vom rechten vorderen “Eck” zum linken hinteren “Eck” muss genauso groß sein wie der vom linken vorderen zum rechten hinteren. Die Weite der Bögen lässt sich allerdings etwas variieren (von ca. 4,80 bis 5,00 m). Damit man sich beim Aufbringen der beiden Türplanen leicht tut und auch für diese eine entsprechende Spannung hinbekommt, empfiehlt es sich, die beiden äußeren Bögen etwas “hereinzurücken”, sodass sich am Boden eine Weite von etwa 4,80 – 4,90 m ergibt. So kann man später die Türplane anbringen und wenn diese hält, mit den Bogenenden wieder weit nach außen rücken, damit sich die richtige Spannung ergibt.
Ist nun also das Zeltgerüst richtig ausgerichtet, so steigt eine Person auf eine außerhalb des ersten Bogens befindliche Stehleiter und stülpt die Enden der ersten Türplane von außen über den Bogen. Zwei Personen ziehen gleichzeitig an den Spannschnüren der Türplane, die sich dann automatisch über den Bogen legt. Dazu werden die Spannschnüre in die Ösen auf den Füßen der Außenstangen gefädelt. Ob die Plane auch schön “mittig” ausgerichtet ist, zeigt sich an der mittleren der auf der Plane aufgebrachten Ösen – diese muss sich genau unterhalb der obersten Verbindungsstange befinden (am Foto liegt die Plane also etwas zu weit rechts).

Damit die Türplane richtig ausgerichtet ist, sollte die Öse genau unterhalb der Verbindungsstange liegen – also nicht so, wie hier gezeigt.

Die Türplane wird von außen aufgebracht und mit den Spannschnüren gespannt.
Sobald die Plane durch die Spannung der Schnüre am Bogen hält, ist darauf zu achten, dass ihr Abschluss auch parallel zum Boden verläuft. Nun kann auch das Gestänge des Bogens so weit nach außen verschoben werden, dass die Plane richtig spannt. Erst dann sind die Spannschnüre links und rechts gleichmäßig stark zu spannen und an der Metalllasche am Fuß des Bogens zu verknoten. Anschließend ist die Türplane am anderen Ende des Zelts zu montieren.

Die Spannschnüre der Türplane sind stark zu spannen und an den Metalllaschen am Fuß des Bogens zu befestigen.
Aufbau des Weidezelts – Verankerung im Boden
Als nächstes ist das Zelt mit den angebrachten Türplanen im Boden zu verankern. Zur Verankerung werden 8 feuerverzinkte Erdanker mit einem Gewinde (je nach Bodentyp unterschiedlich – daher sollte man bei der Bestellung in etwa wissen, in welchen Boden man die Erdanker schrauben will) mitgeliefert. Die Erdanker sind ca. 80 cm lang.
Auf jeder Seite sind 4 Erdanker an der Außenseite des Gestells zu setzen. Bevor sie eingedreht werden, kann noch geprüft werden, ob auch alle Bögen die gleiche Weite haben, damit das Zelt längsseitig später keinen “Buckel” macht. Die Erdanker sind so weit in den Boden einzudrehen, bis die Öse auf gleicher Höhe mit den parallel zum Boden laufenden Verbindungsstangen sind. Zum Eindrehen empfiehlt es sich, eine Stöckchen durch die Öse zu stecken und dieses zu drehen.
Die eingedrehten Erdanker werden anschließend mit Verbindungsschellen an das Gerüst verschraubt, dass dann fest am Boden verankert ist.

Die Erdanker werden entlang der untersten Verbindungsstange in den Boden gedreht.

Zum Eindrehen der Erdanker wird am Besten ein Stöckchen durch die Öse gesteckt, mit dem der Anker dann gedreht wird.
Aufbau des Weidezelts – Anbringen der Hauptplane
Nachdem das Weidezelt nun im Boden verankert ist, kann die Hauptplane aufgebracht werden. Wie bereits erwähnt, ist es für diesen Arbeitsschritt besonders wichtig, dass Windstille herrscht. Wind würde die Arbeit unnötig erschweren, weil man höchstwahrscheinlich die ohnehin schon schwere Plane nicht würde halten können.
Die Hauptplane ist vorerst entlang der Längsseite des Gerüsts aufzulegen. In jeweils zwei Ösen der Hauptplane sind die beigelegten Spannschnüre einzufädeln und festzubinden. Die losen Enden der Spannschnüre werden dann über das Zeltgerüst auf die gegenüberliegende Längsseite geworfen. Von dort wird dann die Hauptplane an den beiden Spannschnüren über das Bogengerüst gezogen. Deshalb ist es wichtig, dass die Hauptplane so aufgelegt wird, dass die Lasche mit den Spannösen letztlich auf der Innenseite des Zelts zu liegen kommt. Da die Plane wie gesagt schon einiges an Gewicht hat, kann man sie nicht nur an den Spannschnüren über die Bögen des Gerüst ziehen, sondern man hilft am Besten mit einem Besen oder einer Stehleiter nach und hebt so die Plane über das Gerüst.

Die Hauptplane wird mittels der in die Spannösen eingefädelten Schnüre von einer Längsseite zur anderen über das Bogengerüst gezogen.
Die Hauptplane hat die richtige Position erreicht, wenn (a) der ca. 10 cm starke Streifen, der etwa in der Mitte der Plane aufgeschweisst ist, auf der obersten Verbindungsstange liegt und (b) die Naht, die an den beiden an der Breitseite der Plane gelegenen Enden aufgebracht ist, direkt auf den beiden äußeren Verbindungsbögen aufliegt (das heißt, über den Türplanen). Ist das der Fall, werden die Spannschnüre, mit denen die Plane über das Gerüst gezogen worden ist, entfernt.

Die Nähte an den breitseitigen Enden der Plane müssen auf den äußersten Bögen des Gerüsts (über den Türplanen) aufliegen.
In einem nächsten Schritt werden dann die seitlichen Spannschnüre der Hauptplane wie bei der Türplane links und rechts gleichmäßig nach unten gezogen. Die Spannschnüre auf einer Seite werden dann an die Lasche am Winkelfuß geknotet (dort, wo schon die Spannschnur der Türplane hängt). An der anderen Seite werden die Spannschnüre mit Hilfe der Spannschrauben am Winkelfuss befestigt. Die Spannschrauben sind vorher so weit wie möglich auseinander zu drehen und vorerst so zu belassen.
Nun werden auch auf der Seite, auf der die Spannschnüre an den Laschen am Winkelfuß befestigt sind, die Spannschrauben angebracht und die Schnüre in diese geknotet. Sobald der letzte der Spannschrauben montiert ist, kann man diesen bereits voll anziehen, indem man ihn zuschraubt. Danach wird der als vorletztes angebrachte Spannschrauben voll angezogen, dann die weiteren. Zum Schluss sollte die Plane schön gespannt sein.

Die Hauptplane wird durch Spannen der Spannschnüre und der Spannschrauben fest gespannt.
Nun werden die übrig gebliebenen Spannschnüre (die, mit denen die Plane aufgezogen worden ist) in die innen liegenden Spannösen gefädelt, sodass die Plane an der unterstenVerbindungsstange gespannt wird.

So werden die Spannschnüre an der Innenseite angebracht.
Aufbau des Weidezelts – Abschlussarbeiten
Erst jetzt werden alle Muttern fix angezogen (am Besten mit einer 13er-Ratsche). Wenn notwendig, könnte der überstehende Schrauben jeweils gekürzt, entgrätet und mit einem Klebeband überdeckt werden. So ergibt sich keinerlei Verletzungsgefahr für die tierischen Bewohner des Weidezelts. Soll das Zelt Ziegen oder andere besonders neugierige Tiere beherbergen, empfiehlt es sich, z. B. die Spannschnüre oder die Ränder der Haupt- und Türplane mit Verbissschutzspray einzulassen, um die Tiere daran zu hindern, sich und das Zelt zu beschädigen.
Die Bodenschürze der Hauptplane kann entweder mit Staffeln, Rundlingen, Steinen, Erde, etc. beschwert werden. Das schützt die Plane zusätzlich vor Wind und verhindert vor allem auch, dass es vom Boden her ins Zelt zieht.
Im Winter sollte immer nur ein Türteil des Weidezelts offen gehalten werden. Im Sommer sind dagegen beide Türteile offen zu halten, um einen Hitzestau im Zelt zu vermeiden. Zum Offenhalten der Türplanen werden zwei Seile zwischen Hauptplane und Türteil gefädelt. Der mit zwei Reißverschlüssen zu öffnende Türteil wird aufgerollt und mit den Schnüren nach oben gebunden.
Fazit
Wir haben zum Aufbauen des Weidezelts in etwa einen Nachmittag gebraucht. Allerdings nicht am Stück, da wir zweimal vom Wind abgehalten worden sind, weiterzumachen. Daher haben wir das Weidezelt über drei Termine hinweg aufgebaut. Meist haben wir zu zweit gearbeitet, nur beim Aufbringen der Türplanen und der Hauptplane haben wir uns Unterstützung von einem Freund bzw. von Waltrauds Mutter geholt.
Durch die detaillierte Montageanleitung und die Erläuterungen durch Herrn Steinböck beim Abholen des Zelts fanden wir es nicht schwierig, das Zelt aufzustellen. Wer allerdings Erfahrung mit “Bausätzen” im Allgemeinen hat (z. B. mit IKEA-Möbeln …), weiß, dass es unerlässlich ist, sich auch wirklich genau an die Aufbauanleitung zu halten. Wenn man das tut, kann aber eigentlich nichts schief gehen.
Über unsere Erfahrungen mit dem Weidezelt werden wir weiterhin in regelmäßigen Abständen hier berichten.
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