Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung

Vor kurzem habe ich ja bereits darüber berichtet: Auf EU-Ebene wird offenbar darüber nachgedacht, den rechtlichen Rahmen für den Einsatz von Klontechnik in der Lebensmittelproduktion entscheidend zu verändern.

Klonen: Öffentliche Konsultation

Die EU-Kommission hat daher eine sogenannte Konsultation gestartet. Mithilfe der Konsultation – einer Art Meinungsumfrage – möchte sie die Einstellung der UnionsbürgerInnen zum Einsatz von Klontechnik in der Lebensmittelproduktion erheben. Die Konsultation steht unter dem Titel “Maßnahmen bezüglich des Klonens von Tieren zur Lebensmittelerzeugung in der EU” und kann von jeder/jedem, der/die Englisch (ja, sie steht leider nur auf Englisch zur Verfügung …) HIER online ausgefüllt werden.

Aufbau der Konsultation

In der Konsultation wird eine ganz kurze Einführung in den derzeit geltenden Rechtsrahmen gegeben und die Terminologie festgelegt. Danach gibt es jede Menge Fragen, z. B. wie man zur derzeitigen rechtlichen Situation steht und welche Meinung man zur Entwicklung des künftigen Rechtsrahmens hat. Derzeit sind Nahrungsmittel, die mithilfe von genetisch veränderten Tieren hergestellt werden, vor dem Inverkehrbringen nach der sogenannten Novel Food-Verordnung genehmigungspflichtig; bis dato wurde allerdings noch kein Antrag auf Inverkehrbringen gestellt.

Künftige Optionen

Zum Schluss der Umfrage kann man sich entweder für fünf “Policy Options” entscheiden, oder eine eigene Option vorschlagen. Die fünf Optionen lauten:

  1. Beibehaltung des derzeitigen Rechtsrahmens (siehe dazu oben)
  2. Erlaubnis des Einsatzes von Klontechniken zur Lebensmittelproduktion in der EU
  3. Temporäres Verbot von Lebensmittel aus geklonten Tieren (“food from clones”) in der EU und Etablierung eines Systems, mit dem importiertes Klon-Reproduktionsmaterial (Sperma, Embryos) verfolgt werden kann
  4. Temporäres Verbot von Lebensmitteln aus geklonten Tieren in der EU und Einführung eines verpflichtenden Kennzeichensystems für Lebensmittel aus der ersten, zweiten und weiteren Generation von genetisch veränderten Tieren
  5. Temporäres Verbot von Lebensmittel aus geklonten Tieren, aus deren direkten und allen weiteren Abkommen

Meine Entscheidung

Ich habe die Konsultation ausgefüllt und mich letztlich für Variante 5 entschieden. Variante 5 hat natürlich das Manko, dass hier von einer “temporären Beschränkung” die Rede ist.

Ich habe mich nicht deshalb für Variante 5 entschieden, weil ich glaube, dass Klon-Lebensmittel per se für die menschliche Gesundheit gefährlich sind – denn das könnte ich mit meinem Wissen gar nicht beurteilen. Wie im Falle der grünen Gentechnik bin ich aber der Meinung, dass auch das Klonen vor allem ein wirtschaftlich unvertretbares und ungesundes Ungleichgewicht schafft: Die für die Entwicklung der Klon-Techniken bis zur Marktreife des Lebensmittels notwendigen Investitionen mögen ja wieder verdient werden; und das wird wiederum nur funktionieren, wenn ich als Klon-Lebensmittelproduzent möglichst viele vom Zugriff auf mein “Produkt”, das heißt letztlich auf die “genetische Ressource Tier” ausschließe. Meines Erachtens würde das weitere Zulassen von Klon-Lebensmittel daher weiter zu einer Art Privatisierung genetischer Ressourcen – in einem noch viel höheren Maße, als wir sie bereits jetzt kennen – führen. Auf der anderen Seite würden aber vor allem jene Risiken, die mit einer derartigen Verengung von genetischen Ressourcen einher gehen, auf die Öffentlichkeit übergewälzt werden: Wenn also etwas schief geht, zahlen wir alle, verdienen tun aber nur wenige. Das ist nichts Neues (siehe Atomkraft, Grüne Gentechnik etc.), aber auch wenn es sich ständig wiederholt, ist es meiner Meinung noch immer nicht mit einer freien Marktwirtschaft vereinbar, sondern führt im Ergebnis zu mehr Unfreiheit.

Die Konsultation ist bis zum 3. September 2012 offen.

Update 5. Juni 2012:

Ich denke, es ist wichtig, im Kommentar, dem man zur Konsultation abgeben kann, die Forderung zu stellen, dass diese (sämtliche anderen) Konsultation(en) in den Sprachen der EU-Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen sollten.

Berlaymont

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3 Responses to Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung

  1. Werner Wallnöfer says:

    Grüße Christian!
    Danke für den interessanten Beitrag. Ich sehe das sehr ähnlich wie Du, habe eine Anmerkung aus eigener Erfahrung in meinem kleinen Landwirtschaftbetrieb zu machen, den ich im Nebenerwerb mit meiner Familie führe: Wir produzieren Äpfel in intensiv genutzten Anlagen. Nun verhält es sich im Obstbau gleich wie in der Viehwirtschaft: Man hat durch verschiedenste Techniken die Produktionsleistung bereits ohne Gentechnik dermaßen optimiert, dass in allen Bereichen eine satte Überproduktion herrscht (2009 haben wir wesentliche Teile des Ertrages unmittelbar nach der Ernte beim Abliefern in der Genossenschaft in Container geschüttet, damit der Preis gehalten wird). Nun erschließt sich mir überhaupt nicht der Sinn einer weiteren, vermeintlichen, Produktionssteigerung am europäischen Landtwirtschaftsmarkt durch die Optimierung mittels gentechnisch veränderter Produkte. Jedenfalls brächte dies auch den Produzenten null Vorteil. Im Gegenteil müssen wir, dort wo möglich, auf Bio-Anbau umsteigen (ich habe das leider noch nicht gemacht…), denn – um beim Beispiel Obstbau zu bleiben – sinkt dort die Produktionsleistung auf natürlichem Wege von etwa 10Waggon pro Hektar auf etwa 8Waggon pro Hektar, was den mehr als gesättigten Markt entlastet. So viel zum Weg, den ich einschlagen würde (Sobald die bestehende Anlage bei mir erneuert werden muss, werde ich auch den Schritt in Richtung Bio gehen).
    lg Werner

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    • Christian says:

      Lieber Werner!
      Ich bin da voll bei Dir! Vor allem was den Fleischkonsum bzw. den Konsum tierischer Lebensmittel angeht kommt noch hinzu, dass ich da schon auch ein ethisches Dilemma sehe; denn anstatt über unseren ausufernden Fleischkonsum nachzudenken und diesen vielleicht zu reduzieren, industrialisiert man das Tier einfach nochmals eine Stufe. Angeblich steigt der Fleischkonsum in den nächsten Jahren weltweit nochmals ums Doppelte, das wird sich meiner Meinung nach unter den derzeitigen Bedingungen auch mit Klonen und Gentechnik “nicht ausgehen”, zumindest wenn man noch in irgendeiner Form nachhaltig und ethisch vertretbar wirtschaften will.
      Was die Bio-Umstellung angeht: Auch hier kann ich Dich verstehen, bei uns steht das auch noch an …
      lg,
      christian

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  2. Pingback: GAP 2014-2020: Das Volk darf (ein wenig) mitreden - haberleiten.at

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