Landwirtschaftliches aus Malaysia – Teil I

Waltraud und ich waren von Mitte Jänner bis Mitte Februar in Singapur und Malaysia auf Urlaub. Wir haben uns dabei nicht nur erholt und Strandurlaub gemacht, sondern auch versucht, Eindrücke von der Landwirtschaft in Malaysia zu bekommen. Auf unseren Streifzügen durch das Land haben wir einen guten Überblick über den Agrarsektor in diesem tropischen Land bekommen und wollen hier davon berichten. Alle genannten Zahlen, bei denen keine gesonderte Quellenangabe angeführt ist, stammen aus dem CIA World Factbook.

Malaysia – Geografie, Staatsform und Landnutzung

Malaysia liegt in den Tropen, nur wenige Kilometer vom Äquator entfernt. Das Land teilt sich in einen Westteil, die Halbinsel Malaysia, und einen Ostteil, der auf der Insel Borneo liegt. Der restliche Teil Borneos gehört zu Indonesien. Das Sultanat Brunei ist eine Enklave in Ost-Malaysia. Der südlichste Zipfel von West-Malaysia (Halbinsel) ist zugleich der südlichste Teil des asiatischen Festlandes.

Südostasien

Malaysias Lage in Südostasien (Quelle: CIA World Factbook)

Malaysia

Malaysia teilt sich in einen Westteil (Halbinsel) und einen Ostteil auf der Insel Borneo (Quelle: CIA World Factbook)

Malaysia ist eine der letzten parlamentarischen Wahlmonarchien. In Malaysia wird der König alle fünf Jahre von den neun Sultanen (die über neun Bundesstaaten herrschen) aus ihrer Mitte gewählt. Dem König kommen im Wesentlichen repräsentative Aufgaben zu. Die Regierung wird seit 1957 von einem Parteienbündnis gestellt, das von der nationalkonservativen United Malays National Organisation angeführt wird. Malaysia ist ein demokratischer Staat, in dem Sinne, dass dem Volk die entsprechenden Mitspracherechte eingeräumt werden. Was den rechtsstaatlichen und grundrechtlichen Aspekt betrifft, den wir in Europa mit dem Demokratiekonzept verbinden, so ist dieser in Malaysia vor allem was Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Gleichbehandlung betrifft, anders gestaltet als in Europa. So ist der Islam Staatsreligion in Malaysia. Die Ausübung anderer Religionen wird toleriert, allerdings werden Muslime in weiten Teilen des öffentlichen Lebens bevorzugt (z. B. beim Bezug von Arbeitslosenhilfe).

In Malaysia leben etwas mehr als 29,6 Mio. Menschen (Österreich: 8,2 Mio.). Davon sind 50,4 % Malayen, 23,7 % Chinesen, 11 % Indigene und 7,1 % Inder. 60,4 % der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, 19,2 % zum Buddhismus, 9,1 % zum Christentum, 6,3 % zum Hinduismus, der Rest enfällt auf Taoismus, Konfuzianismus und andere Religionen. In Österreich leben 91,1 % “ethnische” Österreicher, 4 % der Bevölkerung stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, 1,6 % aus der Türkei und 0,9 % aus Deutschland. 73,6 % der ÖsterreichInnen sind römisch-katholisch, 4,7 % protestantisch, 4,2 % muslimisch, der Rest entfällt auf andere Bekenntnisse.

Interessant ist auch der Vergleich der Altersverteilung der malayischen und der österreichischen Bevölkerung.

Die Landfläche Malaysias beträgt 329.847 km² (Österreich: 82.445 km²). Davon sind 5,46 % kulturfähig (Österreich: 16,59 %). 17,54 % der Landfläche werden für den Anbau “dauerhafter” Kulturen (das sind allgemeine Kulturen, die über längere Zeit auf einer Fläche bleiben, nicht aber Holz) verwendet (Österreich: 0,85 %). 3.650 km² werden bewässert (Österreich: 1.170 km²). Der Süßwasserverbrauch in Malaysia beträgt 9,02 km³/Jahr, davon entfallen 62 % auf die Landwirtschaft (Österreich: 3,67 km³/Jahr, 1 % Verbrauch durch Landwirtschaft).

Wirtschaft und Landwirtschaft allgemein

Das malayische Bruttonationalprodukt pro Kopf beträgt 16.900 US-$ (Österreich: 42.500 US-$). Die Landwirtschaft trägt zum malayischen Bruttonationalprodukt 13 % bei (Österreich: 1,5 %). In Malaysia sind 13 % der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig (Österreich: 5,5 %). Die Arbeitslosenrate in Malaysia beträgt für 2012 geschätzte 3 % (Österreich: 4,4 %). Die Steuern- und Abgabenbelastung beträgt in Malaysia 19,3 % des Bruttonationalprodukts (Österreich: 47,8 %).

Malaysia ist der zweitgrößte Produzent von Palmöl weltweit (größter Produzent: Indonesien). Die wichtigsten Agrarprodukte, die daneben in Malaysien produziert werden, sind: Gummi, Kakao, Reis, Holz.

Palmöl

Malaysia verfügt über 5 Mio ha Palmölplantagen. Palmöl wird aus dem Fruchtfleich und den Kernen der Ölpalme gewonnen. Palmöl ist das wichtigste Pflanzenöl der Welt. Die Produktion steigt stetig und rasant an (laut Wikipedia von 25,6 Mio Tonnen im Jahr 2001 auf 46 Mio Tonnen weltweit im Jahr 2009). Palmöl wird sowohl in der Lebensmittelindustrie, der Kosmetikindustrie, der Oleochemie und als Biokraftstoff genutzt.

Eine Ölpalme kann erstmals etwa 5 Jahre nach der Pflanzung genutzt werden. Eine Palme produziert Fruchstände von bis zu 50 kg im Jahr, die für die Ölgewinnung genutzt werden können. Mit etwa 20 Jahren ist das Nutzungsende der Palme erreicht. 30 – 40 % der Palmölplantagen haben in Malaysia mittlerweile ein Alter von 20 Jahren erreicht. Das aktuelle malayische Budget sieht 432 Mio Ringgit (etwas mehr als 100 Mio Euro) als Unterstützung für ein offensives Neu- bzw. Wiederbepflanzungsprogramm vor. Die Unterstützungsleistung für die Erneuerung der Plantagen soll jenen Plantagenbesitzern gewährt werden, die unter 40 ha Palmölflächen bewirtschaften. Diese erzielen damit Erträge von durchschnittlich 15 t frischen Fruchtständen pro Jahr und Hektar, was 3 t rohes Palmöl (crude palm oil – CPO) ergibt. 60 % der landesweiten Palmölproduktion entfallen aber auf Großplantagen, die jährlich 3 – 5 % ihres Bestandes erneuern (Quelle). Dem derzeit auf dem Weltmarkt bestehenden Verfall des Preises von CPO soll durch die Einführung von sogenannten B10-Biodiesel (bestehend aus 10 % Palmmethylester und 90 % Diesel) ab 2014 entgegen gewirkt werden (Quelle).

Der Palmöl-Boom wird aber mittlerweile auch in Malaysia kritisch gesehen. Über ganz weite Teile musste nämlich ökologisch wertvoller Primärurwald den Palmplantagen weichen. So fährt man entlang der Autobahenn E1 und E2 in West-Malaysia stundenlang durch Palmölplantagen. Die folgenden Fotos, die im Jänner 2013 in West-Malaysia in Gebiet Tangkak – Gunung Ledang aufgenommen wurden, zeigen auch, dass diese Palmölplantagen Monokulturen sind, die ursprünglich im Regenwald lebenden Arten finden darin keinen Platz.

 

Mit drastischen Schildern wird vor dem Betreten der Palmplantagen großer Konzerne gewarnt

Mit drastischen Schildern wird vor dem Betreten der Palmölplantagen großer Konzerne gewarnt

Die Palmölplantagen sind Monokulturen, die sich über 5 Mio ha in Malaysia erstrecken

Die Palmölplantagen sind Monokulturen, die sich über 5 Mio ha in Malaysia erstrecken

Palmölplantage Schild

Ein Schild mit Qualifikationsbeschreibung der Fruchtstände von Ölpalmen

Sime Darby ist ein malayischer Mischkonzern, der umfangreiche Palmölplantagen besitzt

Sime Darby ist ein malayischer Mischkonzern, der umfangreiche Palmölplantagen besitzt

 

Tee

Im Hochland – den Cameron Highlands – wird seit der britischen Kolonialzeit Tee angebaut. Wir haben eine Plantage des größten malayischen Teeproduzenten Boh Tea besichtigt. Die Plantage ist 83 Jahre alt und wird noch immer bewirtschaftet. Die Arbeit auf den Plantagen übernehmen vor allem Vietnamesen, Bangladeschis und Thailänder, die in etwa 10 Euro am Tag verdienen.

Die Teeplantagen liegen im kühleren Hochland

Die Teeplantagen liegen im kühleren Hochland

Grüntee, Schwarztee, etc. stammen von derselben Pflanze - der Unterschied im Geschmack ergibt sich aus der Fermentierung

Grüntee, Schwarztee, etc. stammen von derselben Pflanze – der Unterschied im Geschmack ergibt sich aus der Fermentierung

Ein Teepflücker bei der Arbeit

Ein Teepflücker bei der Arbeit

 

Fortsetzung folgt!

 

 

 

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3 Responses to Landwirtschaftliches aus Malaysia – Teil I

  1. barbara says:

    Ein super interessanter Beitrag. Das ist genau das, was ich immer gerne lese: Eindrücke und vor allem landwirtschaftliche Einblicke von anderen Ländern. Ich bin schon sehr aus die weiteren Teile gespannt.

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  2. Martin says:

    Hallo,
    ein sehr interessanter Artikel ist das. Vor allem die Bezüge auf Österreich gefallen mir sehr gut, da sie den Artikel anschaulicher machen und die Diskrepanz zwischen Österreich und Malaysia verdeutlichen. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil, wann kann man den erwarten? :)
    Vielen lieben dank für diesen Artikel.
    Gruß Martin

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  3. Jaja das ist echt unglaublich wie groß diese Plantagen sind. Ich bin da mal durchgeradelt. War auf dem Weg von Australien nach Österreich. Hier gibts noch mehr Fotos zu diesem an sich schönen Teil der Erde: http://www.derbeobachter.net/?paged=8

    lg ch

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